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Thema: Rügenland Sassnitz 03.12.2016

  1. #1

    Lächeln Rügenland Sassnitz 03.12.2016

    Sonst nur in der Brandung und auf der Seebrücke unterwegs wollte ich im Urlaub auf Rügen meine ersten Kuttertouren machen. Gebucht war am Freitag die Möwe und am Samstag die Rügenland. Aufgrund des Sturmes (Windstärke 8-9) fuhr am Freitag weder Möwe noch Rügenland raus.


    Es war ein kalter Samstagmorgen in Sassnitz. Um 5:45 Uhr am Liegeplatz angekommen war nur ein Vater mit seinem Sohn und ein älterer Herr vor Ort. Klasse dachte ich mir, du kletterst gleich hoch auf den Bug und sicherst dir einen "begehrten" Platz ganz vorn in der 1. Reihe.

    Neben mir hatte sich "Harald" wie der ältere Herr hieß, auch schon aufgebaut. Wir kamen schnell ins Gespräch und unterhielten uns den ganzen Tag über köstlich.

    Er angelte ganz Old scholl mit 2 Ruten die vom Wurfgewicht ehr nach Norwegen passen. Dicke monofile Schnur und zwei über 30 Jahre alten Rollen. Als Montage 3 Oktopusse und ein Pilker.
    Ich trat notgedrungen mir einer 3,5 LBS 360cm Karpenrute von Daiwa an. Ein paar Pilker von 50 - 150 Gramm und einigen Twistern und Möhrchen in 2 Größen.

    Das Schiff füllte sich nach und nach aber sonst wollte niemand auf den vereisten Bug, das gab mir schon zu denken. Die Möwe fuhr Punkt 06:30 Uhr an uns vorbei. Wir sind irgendwann auch unter Deck, bezahlen und aufwärmen. Es wurde bis kurz vor 8 auf den letzten Nachzügler gewartet und wir sind auf See mit gerade mal 16 Mann und 4 Frauen, statt 50 Personen. Ob sich das wirtschaftlich noch rechnet ?

    Die Ausfahrt aus dem Hafen war klasse. Die Sonne ging schon auf und die See war sehr ruhig. Wir sind wieder runter denn das Frühstück rief. Ordentlicher Kaffee und eine Platte voll gut belegter Brötchen. So konnte der Tag beginnen!

    Bevor es losging noch einmal Wasser lassen, über der Bordtoilette das Schild "Gekotzt wird an der Reeling! Nicht Hier!"
    Humor haben sie ja, ich weiß nichtmal ob ich Seekrank werde ^^

    Mit 1200 PS aus dem V12 BiTurbo pflügte die Rügenland durch die Dünung. Das Schiff stampfte durch die Wellen des gestrigen Sturms und rollte gleichzeitig. Die Gischt überspült den Bug, wir werden ordentlich nass und krallen uns auf der Metallbank fest. Softshell und warme Unterkleidung war unentbehrlich. Der Wind zieht einem dennoch schnell die Wärme aus dem Gesicht.
    Ich merke wie das Frühstück im Magen ordentlich hin und her bewegt wird, schlecht wird mir nicht aber es ist ein komisches Gefühl wenn man kurzfristig den Boden unter den Füßen verliert, Achterbahn Feeling kommt auf.

    Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir den ersten Spot. Alle nehmen Ihre Rute auf, der Pilker schwebt über dem Wasser, die Aufregung steigt. Harald piekst sich einen Drillung in den Finger und blutet sich seine gelb/schwarze Jacke voll, das hält ihn aber auch nicht vom Angeln ab. Der Kapitän fährt einen Halbkreis und manövriert uns konzentriert genau über den Spot. Das Hubsignal kommt und alle Köder rauschen gen Meeresboden.
    Wir pilken und ich gucke mir die Köderführung der anderen ab. Niemand hat einen Biss. Ich verankere mich mit den Beinen an der Reeling um das Stampfen des Bugs zu kompensieren und werfe meinen 100gr Pilker mit schwarzem Twister als Beifänger über Kopf aus. Platz haben wir da oben ja genug und mit der 360er Rute komme ich auch gut über die gespannten Seile.
    Es braucht seine Zeit bis der Pilker unten an kommt. Ich kann ihn gut am Boden führen wobei er nicht leichter sein dürfte.
    Aufgebpikste Muscheln am Drilling zeigen mir dass ich auch am Grund angel und nicht irgendwo im Mittelwasser. Gerade an Bug merkt man die Steuermanöver welche uns genau über dem Fisch halten.
    Leider bleiben alle Köder an Bord unberührt und das Hubsignal kommt. Für mich interessant zu sehen dass an Bord eine unglaubliche Vielfalt an Ruten, Rollen und Ködern herrscht, an der Auswahl kann es also nicht liegen.

    Beim 2. Spot ist es das Selbe, kein Biss. Ernüchterung macht sich breit. Harald sagt schon dass es ein zäher Tag werden wird.
    Der Smut beginnt die Fischkisten zu verteilen.
    Beim 3. Spot wird ein ~25cm Dorsch gehakt. Vom Bug konnte ich dem Kapitän gut zusehen wie er uns mit dem Echolot über den Fisch buxierte.
    Beim 4. Spot wird ein Hering an Bord geholt. Einer der Angler hatte vor dem Pilker ein Heringspaternoster montiert. Ich hatte auch eines mit, aber ich bin ja wegen dem Dorsch gekommen.
    Es war schon ein Erlebnis die Steilküste von See aus zu sehen.
    Beim 5. Spot hatte sich der Smut zu uns gesellt. Er wirft weit aus und deckt so viel Strecke über Grund ab. Wir bleiben an diesem Spot länger als zuvor. Der Smut fängt einen Mini-Dorsch und ich rufe ihm noch zu "Angeln mit lebendem Köderfisch ist verboten" ^^ Wir verlieren den Mut nicht und angeln konzentriert weiter.
    Ich kopiere die Köderführung des Smuts und unterhalte mich mit ihm. Der Fisch ist auf dem Echolot zu sehen aber nach so einem Sturm sei es immer schwer.
    Es werden noch 2 maßige Küchendorsche gefangen, einer auf einen silbernen Pilker, der andere auf einen japanroten Twister.

    Wir können die Lautsprcher der anderen Kutter hören, dort wird auch kaum gefangen.

    Auf der Fahrt zum 6. Spot baue ich auf ein kleines orangenes Möhrchen als Beifänger um. Mittlerweile hatte ich es auch besser im Griff die Bewegungen des Schiffes beim Werfen zu nutzen ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
    Endlich! Biss! Ich merkte schnell dass es nichts großes ist und kurbelte den Fisch schnell nach oben. Ein 30cm Dorsch hatte das Mörchen voll inhaliert. Ich hakte ihn ab und weiter gings. Im Nachhinein hätte ich den Fisch wohl unten halten sollen um einen 2. auf den Pilker zu bekommen, oder sogar einen Überbeißer falls es ein Hering war. Vereinzelt wurden Dorsche gelandet. Ich hatte schon genug Muscheln für eine Suppe zusammen.

    Es war mittlerweile 12 Uhr und der Kapitän rief zum Mittag. Wir stellten uns unter Deck an und empfingen eine große Schale mit einem sehr saftigen Braten mit Gemüse, Salzkartoffeln und so einer Art Krautsalat mit Karotten. Es war super lecker und sehr reichlich!

    Mit vollem Bauch kamen wir Kap Arkona immer näher. Vereinzelt wurde mal ein Fisch gelandet, viele wurden gerissen oder kamen in einem Schnurknäul an Bord gehievt. Der Smut fing auch einen maßigen Dorsch.
    Ein Angler rief nach dem Gaff, die Rute war stark gekrümmt. Leider ging der Fisch verloren, er biss auf ein großes Möhrchen am Bleikopf.
    Wir sind ein Stück über das Kap hinaus gefahren, aber dort war die Dünung und der Wind sehr stark.
    Ich baue um was meine Köderkiste her gibt und nehme jetzt ein selbstgebautes Vorfach mit 2 Beifängern, der Pilker muss jetzt allerdings schon 150 gramm haben um noch schnell genug abzusinken. Es ließ sich mit der Daiwa Rute noch erstaunlich gut führen.
    Nach dem 10 Stop habe ich aufgehört zu zählen. Es war immer das gleiche Prozedere. Die Stops kamen jetzt sehr häufig. Wir verfolgten wohl immer den selben Schwarm und führen im Halbkreis. Harald hatte inzwischen aufgegeben. Ich gab nicht auf, konnte jedoch sehen dass viele Angler Ihre Ruten schon zusammen gebaut haben. Es war schwer sich noch zu motivieren, aber zumindest einen Pfannendorsch wollte ich landen, auch wenn ich ihn dann verschenkt hätte. Die Arbeit wollte ich zu Hause nicht mehr haben.
    Gegen 14:30 ertönten die Hubsignale welche die Tour beendeten. Der Kapitän war sichtlich enttäuscht über den Fang, aber er kann ja auch nichts dafür.

    Auf dem Schiff wurden ca. 15-20 Dorsche und ein paar Heringe gefangen. Am Heck lag auch ein ca. 60cm Dorsch in der Kiste, es war der größte an diesem Tag.
    Sobald die Filitierbretter aufgeklappt waren kam wie aus dem Nichts ein kreischender Möwenschwarm.
    Unter Deck waren viele lange Gesichter die sich die Diashow von Dickdorschen ansahen. Als Nichtraucher hielt ich es allerdings nicht lange dort aus und war wieder draußen.
    Wir tuckerten langsam gen Sassnitz und kamen kurz vor 16 Uhr im Hafen an.

    Harald "freute" sich schon auf die Rückfahrt nach Hamburg.
    Für mich als Brandungsangler war es schon eine Genugtuung dass es selbst auf einem Thunfischboot für den Nordatlantik mit mordernem Echolot keine Fanggarantie gibt. Man kann noch so viel Geld und Zeit in sein Hobby stecken, wenn der Fisch nicht will, dann will er nicht! Eigentlich schon verrückt was man für einen Aufwand treibt um Fisch zu fangen... erschöpft aber glücklich freute ich mich auf die warme Stube. Zu Hause merkte ich allerdings dass ich gefühlt noch immer auf der Rügenland war. Alles schwankte ^^

    Erwähnenswert: Die meisten Dorsche wurden auf Rot/Orange gefangen, aber das hatten die meisten Angler sowieso dran.

    Wenn es die Zeit zulässt würde ich wieder mit der Rügenland fahren wollen.

    Danke auch an Heinrich für die guten Tips!

    20161203_075229.jpg
    Geändert von Rapalla (06.12.2016 um 13:53 Uhr)

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Avatar von schempy
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    für den tollen Bericht
    Schöne Grüße aus Niedersachsen

    Karsten




  3. #3
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    Toll Danke für den Bericht!!!!

  4. #4
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    Schöner Bericht !Warte schon auf die Rügenland.Ab Mitte Februar soll sie von Laboe fahren

  5. #5
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    Danke Sven, Klasse dafür hätte ich dir gerne ein paar Dorsche gewünscht!
    Gruß
    Heinrich

  6. #6
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    Danke schöner Bericht, meine letzte Außfahrt ist schon Zehn Jahre her. Entweder Norwegen oder nur noch vom Klein Boot auf die Ostsee.
    Gruß Andy

  7. #7
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    Toller Rundum-Bericht. Das Hilft über die Angelfreie Zeit ein bißchen hinweg. Leider bewahrheitet sich auch hier, daß der Fisch seinen eigenen Kopf hat ;-)

  8. #8
    Brandiangler
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    Schöner Bericht........hätte mehr Fisch verdient gehabt............

    Aber überall läuft es zäh.........manchmal sogar "zäher".....

    gruß degl
    möge der Fisch mit euch sein



  9. #9
    Administrator Avatar von Thomas Stühm
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    Toller Bericht - Respekt !

    Gruß Thomas

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